Warum ist es wichtig, nicht dazwischen zu reden?
Was steckt dahinter?
Dazwischenreden passiert schnell, gerade wenn ein Thema wichtig ist oder die Zeit knapp scheint. Für das Gegenüber fühlt es sich aber oft so an, als zähle der eigene Gedanke nicht. Wer nicht ausreden darf, hört meist auf zu erklären – und was eigentlich gemeint war, bleibt im Dunkeln. So entstehen Missverständnisse, die sich mit ein paar Sekunden Geduld vermeiden ließen.
Zuhören ist dabei mehr als Schweigen. Blickkontakt, eine zugewandte Haltung und am Ende ein kurzes Zusammenfassen in eigenen Worten zeigen deinem Kind: Ich habe dich verstanden. Erst wenn sich jemand verstanden fühlt, kann er selbst wieder gut zuhören. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.
Mit dem ersten Smartphone wird das noch wichtiger. In Gruppen-Chats schreiben oft viele gleichzeitig, Nachrichten überholen sich, und der Tonfall fehlt. Wer zu Hause übt, andere ausreden zu lassen und nachzufragen, nimmt eine Gewohnheit mit, die auch im Klassen-Chat Streit verhindern kann.
Gut zu wissen
- Das Familienhandbuch des bayerischen Staatsinstituts IFP rät, bei Problemen die eigene Meinung zurückzuhalten und das Kind zu Ende reden zu lassen. So kann es selbst eine Lösung finden. [1]
- Wer wütend oder aufgewühlt ist, kann kaum zuhören. Erst wenn sich ein Kind verstanden fühlt, beruhigen sich die Gefühle – und das Gespräch kann weitergehen. [2]
- Laut ACT ON!-Studie (JFF, 2024) akzeptieren 10- bis 12-Jährige Medienregeln eher, wenn Eltern ihnen zuhören und sie mitentscheiden lassen. [3]
Für Kinder erklärt
Zum Vorlesen
Stell dir vor, du baust mit Worten einen Turm. Wenn dich jemand mittendrin unterbricht, fällt der Turm um, und keiner weiß mehr, was oben draufkommen sollte. Darum: erst fertig bauen lassen, dann selbst weiterbauen.
Sprecht darüber
- Wie fühlt es sich an, wenn dir jemand ins Wort fällt?
- In welchen Situationen fällt es uns in der Familie schwer, andere ausreden zu lassen?
- Woran merkst du, dass dir jemand wirklich zuhört?
Probiert's aus
Legt ein paar Gegenstände in einen Beutel. Eine Person beschreibt einen davon, ohne ihn zu nennen. Alle anderen hören zu, bis sie fertig ist, und raten erst dann. Wer dazwischenruft, setzt eine Runde aus.

Mit Gegenständen in einem Stoffbeutel werden präzise Beschreibungen geübt. Andere müssen verstehen, welcher Gegenstand gemeint ist. Vermittelt anschaulich, warum verständliche Wortwahl und möglichst genaue Erklärungen wichtig sind.
Für euren Handy-Vertrag
Weiterlesen
Erklärt, warum es Kindern manchmal schwerfällt, ihre Gedanken und Gefühle auszusprechen. Vermittelt praktische Gesprächsregeln, aufmerksames Zuhören, geduldiges Nachfragen und Möglichkeiten, Kinder ohne Druck zum Erzählen zu ermutigen.

Erklärt die Bedeutung klarer Sprache, aufmerksamen Zuhörens und des Benennens von Gefühlen. Eltern erhalten konkrete Anregungen, wie sie ihrem Kind helfen können, eigene Gedanken und Emotionen verständlicher auszudrücken und auch in schwierigen Gesprächssituationen respektvoll miteinander umzugehen.

Eltern lernen in begleiteten Kursen, eigene Kommunikationsgewohnheiten zu reflektieren, verständliche Botschaften zu formulieren, Gesprächsregeln aufzustellen und Konflikte gemeinsam mit ihren Kindern zu lösen. Ein vertiefendes Unterstützungsangebot, wenn Gesprächsschwierigkeiten im Familienalltag häufiger auftreten.
[3] Was Kinder wirklich über die Medienerziehung ihrer Eltern denken – SCHAU HIN! – Medieninitiative
Stand: Oktober 2026


